Zwischenruf
Küss mich, aber fass mich nicht an …
… so oder ähnlich könnte man die derzeit verstärkt aufkommende Diskussion um Cookies, IP-Adressen und Google Analytics umschreiben.
Man muss kein “Freund” von Google Analytics sein, um nicht dennoch zu hinterfragen, ob diese Diskussion von allen Beteiligten mit der nötigen Konsequenz geführt wird oder ob hier nicht vielmehr verbreitet nach dem Motto “Haltet den Dieb” argumentiert wird.
Jeder möchte im Internet weitestgehend kostenfreie Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Gerade auch Behörden rühmen sich damit, flächendeckend kostenfreie Ressourcen zu nutzen. Dass hinter diesen oftmals sehr qualifizierten und hilfreichen Dienstleistungen und Angeboten ein erheblicher Personal- und Sachaufwand steht, liegt auf der Hand, spielt in der Diskussion aber offensichtlich keine Rolle.
Wer den Gratis-Anbietern Auflagen dahingehend machen will, dass die Vermarktung der Ergebnisse der kostenlosen Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen erheblich erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird, sollte so konsequent sein, gleichzeitig allgemein und für sich selbst die Frage zu beantworten, auf welchem Weg denn der Anbieter künftig seine zur Aufrechterhaltung des Angebots erforderlichen Einnahmen generieren soll/kann.
Was hilft es, sich bei jeder Gelegenheit über die Handlungsweise von Google zu ereifern, wenn auf der anderen Seite das stellenweise einfach sehr gute Angebot von Google zwar gerne in Anspruch genommen wird, aber keine Bereitschaft besteht, hierfür auch zu bezahlen ?
Was wäre, wenn der Nutzer für jede Suchanfrage bei Google zahlen müsste ?
Was wäre, wenn der Leser für jeden Artikel bei SPIEGEL, ZEIT & Co. zahlen müsste ? Entsprechende Testballons sollen ja gestartet werden; bleibt abzuwarten, wie die Nutzungsstatistiken für diese kostenpflichtigen Angebote aussehen werden.
Was wäre, wenn für die Nutzung der VZs, Facebooks, XINGs und TWITTERs dieser Welt gezahlt werden müsste ?
Wie sähe es aus, wenn der Nutzer für Firefox, Thunderbird, Wordpress, Joomla, OpenOffice, Linux und Picasa zahlen müsste, und das sicher nicht zu knapp ?
Man muss kein Pessimist sein, um zu prognostizieren, dass dann mangels Inanspruchnahme zahlreiche Unternehmen von der Bildfläche verschwinden und das Programmangebot schlicht und einfach geringer, das Internet also tatsächlich “ärmer” werden würde.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Sicherlich heiligt gerade beim Thema Datenschutz im Internet der Zweck nicht jedes Mittel. Will sagen: Selbstverständlich gibt es bei der Erhebung, Auswertung und Vermarktung von Daten Grenzen, die endlich einmal sorgfältig definiert und dann auch ausnahmslos eingehalten werden sollten.
Die Betonung liegt dabei aber auf “sorgfältig”, d.h., man muss das Thema fundiert angehen, sich die erforderliche Zeit nehmen und vor allem alle Beteiligten zu Wort kommen lassen. Niemandem ist damit geholfen, wenn nach Art des Düsseldorfer Kreises plakative Forderungen zur Entschließung gemacht werden, ohne dass auch nur ansatzweise daran gedacht wurde, wie die Umsetzung derartiger Entschließungen das Internet auch negativ verändern würde. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Teile des Düsseldorfer Kreises selbst z.B. die IP-Adressen speichern, andere sich insoweit eigenartig bedeckt halten und nur der geringste Teil dieses Gremiums offen darlegt, in welch geringem Umfang bzw. dass überhaupt nicht Nutzungsdaten erhoben werden.
Nur ein Beispiel: Natürlich fällt es einem Landesdatenschutzbeauftragten, der nichts verkaufen muss und dessen Apparat aus Steuermitteln finanziert wird, leichter, bestimmte Tracking-Komponenten auszuschließen, als einem Shop, einer Online-Zeitung oder einer Versicherung, die über das Besucherverhalten genauestens informiert sein wollen und müssen, um ihre Verkaufs- oder Werbeerfolge messen, beurteilen und im Zweifel steigern zu können. Macht es vor diesem Hintergund Sinn, alle Anbieter über einen Kamm zu scheren ? Diese Frage hat man in den offiziellen Verlautbarungen bislang ebenso wenig gehört, wie z.B. die Frage, wie sich denn der Wegfall bestimmter kostenfreier Angebote auf die Internet-Kultur – und die gibt es zweifelsohne ! – auswirken würde.
Es ist also an der Zeit, den Aktionismus einfach mal abzuschalten und sich daran zu machen, das Notwendige vom nicht Notwendigen, das Machbare vom nicht Machbaren, das Sinnvolle vom nicht Sinnvollen zu trennen. Das Ganze sollte unter Einbeziehung der Betroffenen, z.B. vertreten durch Verbände, erfolgen. Auch wenn Google im Internet eine Vormachtstellung hat, darf man nicht übersehen, dass im Internet eben auch eine Vielzahl von größeren und kleineren Anbietern vertreten sind, die durch jedwede Regelungen betroffen wären. Auch diese Anbieter müssen eine Stimme bekommen, bevor geregelt wird.
Letztendlich sollte aber auch berücksichtigt werden, dass man die Einhaltung dessen, was geregelt wird, auch flächendeckend, also gerecht, überwachen können sollte.
Tags: Behörden, Cookies, Daten, Datenerfassung, Datenschutz, Düsseldorfer, Google, Google-Analytics, Internet, IP-Adresse, Kreis, Statistik, Webanalyse








Ein großes Problem bei der aktuellen Diskussion ist in meinen Augen die Transparenz. Häufig ist einfach nicht klar, welche Daten erhoben und verknüpft werden. Dabei ist die Verknüpfung von Daten zwischen unterschiedlichen Diensten bzw. Websites ein noch eher unbeachteter Bereich. Das Google Daten über mein Verhalten bekommt, wenn ich die Google Suche oder einen anderen Dienst nutze, ist ja verständlich.
Aber Google erhält auch Daten über mein generelles Surfverhalten, wenn ich z.B. auf Seiten mit Adsense Werbung bin. Das gleiche gilt für viele Werbeanbieter, die auf unterschiedlichsten Sites vertreten sind. Müssen die das bekommen? Was machen die damit?
Auch bei den so offenen Amerikanern stellt sich heraus, dass die Offenheit eher aus Unwissenheit resultiert (s. http://www.econtrolling.de/200910/studie-behavioral-targeting-und-web-tracking-auf-dem-prfstand/ )
Daten sammeln als Gegenleistung für kostenlose Services kann ein fairer Deal sein, aber dann sollte das auch ehrlich kommuniziert werden.